Schweiß, Staub und schwere Arbeit - die Geschichte des Endlagers Konrad

Das Endlager Konrad in Salzgitter-Bleckenstedt in Niedersachsen ist in einem Jahrzehnte dauernden Verfahren genehmigt worden. Hier wird nach der Fertigstellung Atommüll mit vernachlässigbarer Wärmeabgabe eingelagert. Das sind schwach- und mittelradioaktive Abfälle.

Die Vergangenheit des Standorts reicht bis weit ins 20. Jahrhundert zurück, lange bevor Bergleute in den späten 1950er-Jahren die beiden Schächte gebaut haben.


Erkundung des Erzes und Erzbergbau im Revier Salzgitter


Das Eisenerz im Norden Salzgitters wird 1933 bei der Suche nach Erdöl gefunden. Es liegt 800 Meter tief unter der Erdoberfläche. Wegen des Zweiten Weltkriegs werden die Erkundungen des Erzes unterbrochen und können erst in den 1950er Jahren abgeschlossen werden. Zu dieser Zeit ist der Bedarf an Eisenerz sehr hoch und das weltweite Angebot gering, daher fällt die Entscheidung für den Bau des Bergwerks Konrad.

Die beiden Schächte Konrad 1 und Konrad 2 werden sehr zügig bis in mehr als 1.200 Meter Tiefe gebaut. Sie liegen etwa zwei Kilometer voneinander entfernt. Noch bevor die unterirdische Verbindung der beiden Schächte fertig ist, beginnen die Bergleute mit dem Abbau des Eisenerzes.


Historisches Bild eines Baggers beim Erdaushub.
© BGE
1957 beginnen die Arbeiten am Schacht Konrad 1. Die ersten Meter des Schachtes können noch mit dem Bagger ausgehoben werden. Nach einigen Metern ist damit Schluss.

Blick auf Bergleute bei Arbeiten im Vorschacht.
© BGE
Die Bergleute graben den Schacht Meter für Meter bis in eine Tiefe von 1.200 Meter.

Blick auf den offenen Schacht an der Erdoberfläche.
© BGE
Der Schachtbau beginnt an der Tagesoberfläche am sogenannten Mundloch.
Blick in das Innere der Schachtröhre beim Betonausbau.
© BGE
Nach mehreren Metern im Gestein erfolgt der Betonausbau, um die Schachtröhre zu stabilisieren.

Bergleute im sogenannten Teufkübel, der als temporäre Seilfahrtanlage hinunter in den Schacht dient.
© BGE
Um in den Schacht zu gelangen, wird eine temporäre Seilfahrtanlage eingebaut. Für den Schachtbau müssen die Bergleute im sogenannten Teufkübel sehr langsam in den Schacht fahren.

Blick auf das Teufgerüst über Tage.
© BGE
Über Tage sieht das Teufgerüst bereits wie ein kleiner Förderturm aus.
Blick auf den Förderturm.
© BGE
Der nun fertiggestellte Förderturm über Tage.
Blick auf die Förderanlage.
© BGE
1961 ist der Schacht fertig und die Förderanlage für den regulären Betrieb kann montiert werden.

Blick auf den Bau des Schachtes 2, der bis in 1.000 Meter Tiefe gebaut wird.
© BGE
Parallel zur Förderung wird der Schacht 2 bis in 1.000 Meter Tiefe gebaut.
Blick in den Schacht, in dem eine Verbindungsstrecke gebaut wird
© BGE
Noch bevor der Schacht Konrad 2 gebaut ist, beginnen die Bergleute unter Tage mit dem Bau der Verbindungsstrecke zwischen den beiden Schächten.

Ein Bergmann bohrt Löcher, die später mit Sprengstoff gefüllt werden.
© BGE
In den 1960er Jahren muss im Bergbau noch viel von Hand gearbeitet werden. Hier bohrt ein Bergmann Löcher, die anschließend mit Sprengstoff gefüllt werden.

Ein Bergmann bedient einen Bagger zur Eisenerzförderung.
© BGE
1969 läuft bereits die Eisenerzförderung. Mit Förderwagen (als Lore oder Hunt bezeichnet) wird das herausgebrochene Gestein zum Schacht und von dort nach über Tage transportiert.
Bergmann beim Einsatz einer faltbaren Bohranlage im Bergwerk Konrad.
© BGE
Der zeitliche Fortschritt bringt neue Technik mit sich. Hier setzen Bergleute die erste fahrbare Bohranlage im Bergwerk Konrad ein.
Blick auf den Schacht Konrad.
© BGE
Mit der gerichtlichen Bestätigung der Genehmigung von Schacht Konrad als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle können die Abrissarbeiten der alten Anlagen auf der Schachtanlage 2 beginnen.


Blick auf ein temporäres Teufgerüst beim Schacht Konrad 2.
© BGE
Für die Sanierung und Umrüstung des Schachtes Konrad 2 wird wieder ein temporäres Teufgerüst aufgestellt. Auch jetzt müssen die Bergleute beengt in einem kleinen Förderkorb zu den Arbeitsplattformen im Schacht einfahren.
Historisches Bild eines Baggers beim Erdaushub.
Blick auf Bergleute bei Arbeiten im Vorschacht.
Blick auf den offenen Schacht an der Erdoberfläche.
Blick in das Innere der Schachtröhre beim Betonausbau.
Bergleute im sogenannten Teufkübel, der als temporäre Seilfahrtanlage hinunter in den Schacht dient.
Blick auf das Teufgerüst über Tage.
Blick auf den Förderturm.
Blick auf die Förderanlage.
Blick auf den Bau des Schachtes 2, der bis in 1.000 Meter Tiefe gebaut wird.
Blick in den Schacht, in dem eine Verbindungsstrecke gebaut wird
Ein Bergmann bohrt Löcher, die später mit Sprengstoff gefüllt werden.
Ein Bergmann bedient einen Bagger zur Eisenerzförderung.
Bergmann beim Einsatz einer faltbaren Bohranlage im Bergwerk Konrad.
Blick auf den Schacht Konrad.
Blick auf ein temporäres Teufgerüst beim Schacht Konrad 2.

Nach nur elf Jahren ist Schluss

Die weltweite technische und wirtschaftliche Entwicklung führt zu immer größeren Frachtschiffen. Damit kommen bessere Erze zu billigeren Preisen zu den Stahlwerken in Deutschland – das bedeutet das Aus für den Erzbergbau im Revier Salzgitter. Um wenigstens einen Teil des Betriebes zu retten, ergreift der Betriebsrat die Initiative und fährt mit dem Oberbürgermeister und den regionalen Abgeordneten nach Bonn. Dort überzeugen der Betriebsrat und seine Unterstützer die politischen Entscheider von den für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen günstigen geologischen Eigenschaften des Standorts.

Der Bund beauftragt eine grundlegende geowissenschaftliche Erkundung für ein Endlager. Das Ergebnis liegt 1982 vor. Es ist positiv. Nun wird das Endlager geplant und muss genehmigt werden.


Das Verfahren für die Genehmigung verschlingt 20 Jahre


Für die Genehmigung des Endlagers Konrad muss der gesamte Prozess der Errichtung über den Betrieb bis zur Stilllegung geplant und geprüft werden. Das Antragswerk umfasst Tausende Seiten Papier und es müssen zahlreiche Vorprüfungen von Materialien und Geräten vorgenommen werden.

Zehn Jahre nach Beginn liegen alle Unterlagen bereit und mehr als 70 Behörden und Naturschutzverbände werden um Stellungnahmen gebeten. Es folgt eine wochenlange Anhörung des Antragsstellers vor einem Gremium aus Behörden und der Öffentlichkeit. Dann ist die Politik wieder am Zug. Das Land Niedersachsen muss als Genehmigungsbehörde alle Einzelheiten des Antrages prüfen und benötigt dafür weitere zehn Jahre. 



Perspektiven


Kommunen und Umweltverbände setzen sich zur Wehr

Nicht alle sind mit der Genehmigung des Endlagers einverstanden. Einige klagen dagegen, unter anderem die Gemeinde Lengede, die Stadt Salzgitter und die Gemeinde Vechelde. Jetzt müssen die Gerichte prüfen, ob alles rechtmäßig verlaufen ist. Es geht Instanz um Instanz bis zum Bundesverwaltungsgericht, aber die Gerichte finden keinen Fehler. Sie bestätigen die Genehmigung des Landes Niedersachsen. Damit ist der Weg für den Bau des Endlagers frei und die Arbeiten beginnen im Sommer 2007.


Perspektive


2027 soll alles fertig sein

Der Bau des ersten wissenschaftlich untersuchten und genehmigten Endlagers in Deutschland bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich. Beim Bau des Endlagers müssen die jeweils aktuellen genehmigungsrechtlichen Anforderungen umgesetzt werden. Planungsunterlagen, die teilweise bereits mehr als 20 Jahre alt sind, müssen aufgearbeitet werden. Außerdem sind rund 500 Nebenbestimmungen der Genehmigung zu beachten. Nach aktuellen Berechnungen soll das Endlager 2027 fertiggebaut sein.


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