Was war und was ist Daten und Fakten über das Endlager Morsleben

16.09.2018

Einleitung

Was passiert eigentlich zurzeit in Morsleben? Das Endlager in Sachsen-Anhalt steht selten im Fokus der Öffentlichkeit. Gerade deshalb lohnt es sich, einige Daten und Fakten mal genauer anzuschauen


Historisches Foto von übereinader gestellten Fässern mit radioaktivem Abfall
© Bundesamt für Strahlenschutz
Dieses historische Foto zeigt das Ostfeld des Bergwerks. Die Fässer mit radioaktivem Abfall, der vor allem aus dem Betrieb von Kernkraftwerken stammt, sind übereinandergestapelt. Heute sind die Abfälle mit losem Salz abgedeckt und deshalb nicht mehr sichtbar:

Beim Endlager Morsleben handelt es sich um ein altes Kali- und Steinsalzbergwerk. Im Zweiten Weltkrieg mussten Zwangsarbeiter hier unter unmenschlichen Bedingungen unterirdisch Rüstungsgüter produzieren. Rund 37.000 Kubikmeter schwach- und mittelradio aktive Abfälle wurden in der Zeit von 1971 bis 1991 und von 1994 bis 1998 in Morsleben eingelagert. Seit mehreren Jahren läuft ein Genehmigungsverfahren, mit dem das Endlager stillgelegt werden soll.

Das Ziel: Die Abfälle bleiben unter Tage, und das Bergwerk wird mit Salzbeton verfüllt. Nachdem es jahrelang nur schleppend voranging, wird der bestehende Plan an aktuelle Standards angepasst und überarbeitet.


Die Geschichte

1969:
Die Salzförderung wird nach mehr als 70 Jahren eingestellt.

1970:
Die damalige DDR-Regierung wählt das Bergwerk als Endlager für radioaktive Abfälle aus.

1990:
Die Betriebsgenehmigung geht per Einigungsvertrag auf die Bundesrepublik über. Morsleben wird von nun an als gesamt deutsches Endlager für die Entsorgung von radioaktiven Abfällen genutzt. Betreiber des Endlagers ist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

1998:
Aufgrund einer Klage gegen die Einlagerung von radioaktivem Abfall wird die Atommülllagerung in Morsleben gestoppt.

2001:
Das BfS v erzichtet unwiderruflich auf die weitere Einlage rung von radioaktivem Abfall.

2003 bis 2011:
Das BfS lässt 27 Abbaue mit Salzbeton verfüllen, um das Bergwerk zu stabilisieren und für die Stilllegung in bestmöglichem Zustand zu erhalten.

2005:
Das BfS reicht den Stilllegungsplan beim Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt ein.

2009:
Nach einer vom Umweltministerium Sachsen-Anhalt geforderten Überarbeitung werden die Antragsunterlagen erneut eingereicht und öffentlich ausgelegt.

2011:
Es findet ein öffentlicher Erörterungstermin statt. Personen, die Einwendungen gegen die Stilllegung erhoben haben, können ihre Bedenken mit dem Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt und dem BfS diskutieren. Das Bundesumweltministerium bittet die Entsorgungskommission des Bundes (ESK), zu prüfen, ob die Langzeitsicherheitsbetrachtung im Antrag dem Stand von Wissenschaft und Technik entspricht.

2013:
Die ESK kommt zu dem Schluss, dass die Langzeitsicherheitsbetrachtung methodisch nicht mehr dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht. Das BfS soll sechs von der ESK formulierte Empfehlungen umsetzen. Seitdem wird daran gearbeitet, diese Nachweise zu erbringen.

April 2017:
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) übernimmt die Betreiberverantwortung vom BfS. Sie erhält damit auch die Rolle des Antragstellers im Genehmigungsverfahren zur Stilllegung.


Blick in die neue Werkstatt auf der zweiten Ebene im Schacht Bartensleben
© Christian Burkert
Für den Betrieb des Endlagers und die Stilllegung wird unter Tage eine Werkstatt benötigt, in der unter anderem Fahrzeuge gewartet werden. Die neue Zentralwerkstatt auf der zweiten Ebene des Bergwerks wurde im vergangenen Frühjahr in Betrieb genommen

Der Status Quo

Eingelagerte Gesamtaktivität (Stand Juni 2018):210 Billionen Becquerel (Kernzerfälle pro Sekunde)

Abfallvolumen:37.000 Kubikmeter

Zusammensetzung der Abfälle:80 Prozent des Gesamtabfalls stammen aus dem Betrieb und der Stilllegung von Kernkraftwerken, 20 Prozent kommen aus Forschung, Industrie, Medizin und Bundeswehr

Mitarbeiter am Standort Morsleben: Mitarbeiter am Standort Morsleben:154

Gesamtausgaben im Jahr 2017:45 Millionen Euro

Gesamtausgaben von 1990 bis heute:rund 1,3 Milliarden Euro

Projektziel:Sichere Stilllegung des Endlagers

Aktuelle Arbeiten:1. Gewährleistung der Betriebssicherheit, 2. Erhalt der Stilllegungsfähigkeit und Optimierung des Betriebes, 3. Anpassung der Planungen für die Stilllegung an den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik

Anzahl der eingereichten Verfahrensunterlagen:37 Unterlagen, eingereicht von 1992 bis 2018

Seitenzahl der Verfahrensunterlagen:rund 70.000

Einreichung der überarbeiteten Antragsunterlagen aus heutiger Sicht:im Jahr 2026


Blick auf das Endlager Morsleben unter Tage
© Christian Burkert
Das alte Kali- und Steinsalzbergwerk in Morsleben blickt auf eine lange Geschichte zurück

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