„Wir müssen noch einiges verbessern“

16.09.2018 Interview

Einleitung

Risse im Salzbeton, mangelnde Quelleigenschaften des Baustoffs im - Anhydrit – Kritiker halten die Versuche mit horizontalen Abdichtbauwerken für gescheitert. BGE-Mitarbeiterin Monika Kreienmeyer steht Rede und Antwort.


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Einblicke:

Wie stufen Sie das Ergebnis der Versuche ein?

Monika Kreienmeyer:

Die Versuche haben tatsächlich nicht alle unsere Prognosen erfüllt. Einige Kritiker sprechen davon, dass wir gescheitert seien. Das ist ein hartes Wort. Aber auch wir sagen: So reicht es nicht – was wir da gebaut haben, würden wir in der Stilllegung so nicht noch mal errichten. Andererseits haben wir auch sehr gute Ergebnisse damit erzielt. Wir haben etwa gezeigt: Man kann es so dicht wie erforderlich bauen. Dennoch müssen wir noch einiges verbessern.

Das Abdichtbauwerk im Steinsalz weist Risse auf. Was ist da schiefgegangen?

Im Betonbau wird viel darüber gestritten, inwiefern es rissfreien Beton überhaupt gibt. Kleine Risse tauchen immer auf. Was man aber schon sagen kann: Hier ist ein größerer Riss aufgetreten, der nicht sein dürfte. Jetzt gilt es, herauszufinden, ob es sich um einen durchgehenden Riss handelt, der von der einen zur anderen Seite reicht. Über den Grund für die Rissbildung wissen wir aber schon mehr: Nach derzeitigem Erkenntnisstand hat das mit der zu starken Wärmeentwicklung von Salzbeton und dem Schwindverhalten des Betons zu tun. Im Zusammenwirken mit dem umliegenden Gebirge ist es in dem Bauwerk dadurch zu Spannungen gekommen. Die Risse beeinträchtigen aber nicht die Dichtigkeit des Abdichtbauwerks, sondern die Korrosionsbeständigkeit.

Und beim Versuch im Anhydrit, was war da das Problem?

Während Steinsalz sozusagen „kriecht“ und so den Kontaktbereich zwischen Bauwerk und umliegendem Gebirge nach und nach von außen schließt, muss das beim Anhydrit andersherum funktionieren: Da Anhydrit sich kaum bewegt, wollten wir einen Baustoff einsetzen, der aufquillt und den Übergang von innen mit Druck verschließt. Diese Eigenschaft haben wir bei dem dort verwendeten Baustoff Magnesiabinder im Labor gemessen. Doch unter Tage hat sich das Material anders verhalten und den Quelldruck nicht dauerhaft aufrechterhalten.

War es ein Fehler, im Steinsalz und im Anhydrit jeweils nur auf eine Lösung zu setzen, anstatt gleich mehrere Optionen zu erproben?

Ja, das muss man schon so sagen. Man hatte damals gute Gründe für diese Lösungen, aber jetzt haben wir dazugelernt und machen es anders.

Man wird nun also ganz neu planen müssen?

Erst mal werden wir noch weitere Untersuchungen an den bestehenden Versuchen durchführen, um die richtigen Rückschlüsse ziehen zu können. Und wir sind schon dabei, die beiden Baustofflinien mit verschiedenen Bauverfahren für die unterschiedlichen Standorte zu testen. Wir schauen, was wir damit bauen können und wo das jeweils am besten einzusetzen ist – anstatt von vornherein nur diese Lösung für Steinsalz und jene für Anhydrit zu planen.

Sie sprechen von den „beiden Baustofflinien“. Heißt das: Es soll doch wieder mit den gleichen Baustoffen gearbeitet werden?

Bei Magnesiabinder ist der Stand der Technik weiter fortgeschritten, da gibt es inzwischen sehr gut angepasste Rezepturen. Außerdem werden wir für diesen Baustoff unterschiedliche Bauverfahren untersuchen, etwa auch eine Spritzbetonbauweise. Beim Salzbeton wiederum ist die Erkenntnis, dass wir ein Bauwerk dieser Größe nicht mehr aus einem Stück bauen würden. Wir würden den Salzbeton stattdessen zum Beispiel abschnittsweise einbringen und ihn dann besser kühlen.

Was bedeutet das nun alles für das Stilllegungskonzept, rein planerisch?

Das Konzept selber bleibt prinzipiell erhalten. Aber es muss noch einiger Aufwand betrieben werden, bis wir alle nötigen Belege zusammenhaben. Die bisherigen Versuche werden wir nicht als Nachweise im Planfeststellungsverfahren nutzen können, deshalb sind neue Versuche unter Tage notwendig. Die müssen jetzt neu geplant und neu gedacht werden. Zum Teil muss sogar die dafür notwendige Technik erst noch entwickelt werden. Denn das sind Sachen, die man nicht einfach so auf dem Markt kaufen kann.

Wie soll es vor diesem Hintergrund gelingen, zügig zu einer Stilllegung zu kommen?

Das wird alles noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir gehen grob geschätzt davon aus, dass wir für die Planung der Abdichtbauwerke noch bis etwa 2023 brauchen. Das Gute in Morsleben ist, dass das Gebirge sich so langsam bewegt, dass wir dadurch nicht unter Zeitdruck geraten.

Kann man für Zehntausende von Jahren überhaupt wirklich zuverlässige Prognosen erstellen?

Wir haben natürlich immer bestimmte Ungewissheiten in unseren Modellen zu betrachten. Denn alle Parameter, mit denen wir rechnen, haben Bandbreiten – sie können sich also im Zusammenspiel unterschiedlich verhalten. Daher müssen wir verschiedenste Szenarien durchspielen und berechnen. Zum Beispiel: Was könnte über Tage passieren? Wie ändert sich das Klima? Kommt eine Eiszeit? Was macht sie mit der Tagesoberfläche? Das Gleiche gilt auch für die Baustoffe und das umliegende Gebirge: Die Festigkeit des Betons unterliegt Schwankungen, ebenso die Art und Weise, wie das Steinsalz kriecht. Das alles müssen wir in unserem Modell berücksichtigen.

Bedeuten die Ungewissheiten einen Verlust an Langzeitsicherheit?

Diese Ungewissheiten haben in dem Sinne einen Einfluss auf die Langzeitsicherheit, dass es in unseren Simulationen mathematisch günstige und ungünstigere Ergebnisse gibt. Aber auf unsere Sicherheitsaussage hat das letztendlich keinen Einfluss, denn wir gehen davon aus, dass wir auch für diese ungünstigeren Fälle die notwendige Langzeitsicherheit aufzeigen können.


Porträtfoto von Monika Kreienmeyer
© Daniel Pilar
Die Mathematikerin Monika Kreienmeyer ist bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung zuständig für die technische Planung der Stilllegung

Das Endlager Morsleben unter Tage
© Christian Burkert
Das alte Kali- und Steinsalzbergwerk in Morsleben unter Tage
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