Erkundungsbohrungen liefern Informationen über die Asse

14.12.2020 Interview

Seit Oktober sind in der Asse Bohr-Teams rund um die Uhr im Dauer-Einsatz. Ihre Aufgabe: Bohrkerne gewinnen.


Vom Haupteingangstor der Schachtanlage Asse II geht es wenige Minuten über einen breiten Wanderweg zu Fuß hinauf zum Bohrplatz der übertägigen Erkundungsbohrung Remlingen 10 (R10). Christiane Tänzer und Alexander Weis von der BGE gehen diesen Weg jeden Morgen, um „ihre Baustelle“ zu besuchen. Die Geologin und der Bauingenieur betreuen die Erkundungsbohrung. „Diese Bohrung dient der geologischen Erkundung des Gebirges. Wir wissen nicht zu 100 Prozent, wie sich die einzelnen Schichten im Untergrund zusammensetzen und wie sich die hydrogeologischen Systeme verhalten“, erklärt Weis. Es geht also darum, herauszufinden welche Gesteine sich an dieser Stelle befinden und in welche Richtungen das Grundwasser fließt. Mit den Bohrungen sammeln Tänzer und Weis Informationen über die Gesteinsschichten.


Die BGE-Mitarbeiter*innen vor dem Bohrplatz.

BGE investiert mehrere Millionen Euro

Die Bohranlage in der Asse.
Die Bohranlage in der Asse.

Dafür wurde an dieser Stelle ein Bohrplatz hergerichtet, in dessen Mitte schon von weitem sichtbar ein rund 20 Meter hoher Bohrturm steht. Ein Motor treibt hydraulisch das Bohrgestänge 380 Meter tief in die Erde. In der Bohrkrone befindet sich eine Öffnung, durch die das Gestein in ein Rohr eindringt. Ein sogenannter Bohrkern entsteht. Diesen Bohrkern zu gewinnen, ist die Hauptaufgabe des Projekts. Wenn der Bohrer nach oben gezogen wird, wird das Gestänge ausgespült. Zunächst ist nur eine braune Flüssigkeit zu sehen. Dann kommt der Bohrkern zum Vorschein. „Deswegen finden diese Bohrungen statt. So bekommen wir im wahrsten Sinne des Wortes handfeste Informationen. Man kann die Brocken in die Hand nehmen“, sagt Weis über die Bohrkerne. Dafür sind Mitarbeiter*innen einer beauftragten Bohrfirma seit Oktober rund um die Uhr in zwei Schichten im Dauereinsatz. Für die Erkundungsbohrungen investiert die BGE mehrere Millionen Euro.

Zuvor wurde dieser Bohrplatz und ein zweiter für die Erkundungsbohrung (R11) im Wald eingerichtet. Sobald die Erkundung R10 beendet ist, soll das gesamte Equipment zu R11 wandern. Dann geht es dort mit der zweiten Bohrung weiter. Die ist um 10 Grad geneigt und wird noch rund 200 Meter tiefer in das Gestein gebohrt. Um den Bohrplatz R10 aufzubauen, wurde an dieser Stelle der Boden abgetragen und mit Schotter aufgeschüttet. Die Böden lagern jetzt einzeln und beschriftet daneben und sind teilweise mit einer Plane abgedeckt. „So treibt das Saatgut nicht aus, das sich darin befindet. Wenn die Bohrungen hier fertig sind, werden die Böden wieder dort aufgeschüttet, wo sie vorher waren“, sagt die Geologin Tänzer, während sie auf den Bohrplatz zeigt. Dieser ist asphaltiert und mit einem Regenrückhaltebecken ausgestattet. Sauberes Regenwasser kann so wieder in den Untergrund versickern.


Bohrkerne werden analysiert

In einem Container werden alle bisher gewonnenen Bohrkerne in Kisten gesammelt. „Das hier ist unterer Buntsandstein“, sagt Tänzer mit Blick auf einen solchen Bohrkern. Bald werde die Bohrung auf Hutgestein treffen, prognostiziert die Geologin. Dabei handelt es sich um einen Gipshut, der üblicherweise auf Salzgestein aufsitzt. Darunter komme dann Zechstein, also das Salz, das im Zeitalter des Zechsteins dort abgelagert wurde.  Sobald die Bohrung in die Nähe des Salzes kommt, werde mit einem Preventer gearbeitet – einem Aufsatz für den Bohrer als Sicherheitsmaßnahme, falls dort Gasblasen angetroffen werden.

Die Bohrkerne werden später analysiert und in Verbindung mit den bisherigen Erkenntnissen gebracht. Diese sind teilweise alt oder ungenau. „Die Erkenntnisse der 3D-Seismik reichen allein nicht aus. Darin können wir zwar die Schichten sehen, aber nicht woraus sie bestehen. Wir müssen diese Puzzleteile zusammensetzen“, erklärt Ingenieur Weis. So entsteht mit neuen Informationen ein immer genaueres Modell des Gebirges.


Frisch aus der Erde hochgeholt: Die Bohrung wird gespült.


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